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Alpina-Vela

Alpina-Vela in Rotterdam
Alpina-Vela in Rotterdam

Der Koppelverband (KV) Alpina-Vela wurde 1985 bzw. 1986 auf der Arminiuswerft in Bodenwerder für die Reederei Neptun (SRN) in Basel gebaut. Nach der Übernahme der Schweizer Reederei Neptun durch die Rhenus fuhr der Verband noch für die Firma Rhenus Logistics bis 2009. Auf der Strecke Basel - Rotterdam - Basel - Antwerpen -Basel - Rotterdam - usw. konnte der Verband bis zu bis zu 351 Container transportieren.
2010 wurde der Verband getrennt. Der Vela lag 2010 in Duisburg und fährt heute als RSP 2003 auf der Unterweser Container.
Der GMS Alpina wurde in Serbien und in den Niederlanden umgebaut. Der neue Name lautet GMS Rhenus Lünen.

Alpina, Skizze
Alpina, Skizze

Jeder Container besitzt eine eigene Identifikationsnummer und Frachtpapiere. Dank modernster Computer weiß die Schiffsbesatzung jederzeit wo welcher Container steht und den Zielhafen. Dies ist wichtig zum Beispiel beim "Stapeln der Container", Transport von Gefahrgütern oder z. B. Kühlcontainern. Kühlcontainer brauchen während des Transportes einen Stromanschluß (für die Agregate). Beim Transport der geladenen Container werden in den Frachtdokumenten Inhalt und Gewicht erfasst.

Ein wesentlicher Punkt, der beim Stauen eines Containerschiffes beachtet werden muss, sind das Gewicht der in den Containern geladenen Güter und der Wasserstand des Rheins. Die im Schiff verteilte Ladung von vollen und leeren Containern muss gleichmässig sein. Um die Sicherheit des Schiffes zu gewährleisten, werden Stabilitätsrechnungen erstellt.

Auf der Strecke von Basel bis Strasbourg können Container wegen der Schleusentore nur in drei Lagen geladen werden. Für die weitere Talfahrt kann noch eine vierte Ladung dazukommen.

Das Containerschiff erhält am Ladetag einen Stauplan. Ein Verstellen eines Containers auf der Fahrt soll verhindert werden, indem jener Container zuerst ins Schiff geladen wird, der an letzter Stelle zu löschen ist, denn zusätzliche Kosten und mehr Zeitaufwand müssen verhindert werden.

Der Kontakt zum Auftraggeber an Land ist wichtig: Empfänger müssen über den genauen Ankunftstermin orientiert, Bahnwagen bestellt und Strassentransportunternehmer informiert werden. Damit eine reibungslose Abwicklung des Transportes gewährleistet ist, müssen auch die Einfuhrverzollungen vorbereitet sein.

Technische Daten

  Alpina-Vela Alpina Vela
Baujahr /Werft   1985 / Arminiuswerft in Bodenwerder 1986 / Arminiuswerft in Bodenwerder
Baunummer / Schiffsnummer   10492 / 7001460 10493 / 7001486
Nr   07001460  
Leistung   2 x 662 kW - Sulzer  
Tragfähigkeit 4831 t 2590 t 2241 t
Länge 182,8 m 95,00 m 87,80 m
Breite 11,4 m 11,40 m 11,40 m
Tiefgang 4 m 4,00 m 4,00 m

Rotterdam retour

mit freundlicher Genehmigung der Rosenau-Apotheke / Basel.

Schiffsführer Roland Fessler ist das ganze Jahr auf Reisen. Allerdings sind die Fahrten von Basel nach Rotterdam und zurück für ihn nicht nur Vergnügen, sondern vor allem harte Arbeit.
Am nächsten Morgen ist es wieder so weit. Wohl zum tausendsten Mal packt Roland Fessler seine Sachen, um an Bord der «Alpina Vela» den Rhein hinunter nach Rotterdam zu fahren. Seit 34 Jahren schon, seit er 1974 in Basel die Lehre als Schiffsjunge antrat, verbringt der 50-Jährige den grössten Teil seines Lebens auf dem Wasser. «Schiffe haben mich schon immer fasziniert», versucht er seine Berufswahl zu erklären. Und seine Augen wandern verträumt über die Basler Hafenanlage, die er von seinem Führerhaus aus überblickt wie ein Adler im Horst. Seitlich legt gerade das Serviceboot an, das öliges Motorenwasser aus dem Schiff pumpt. Und an der Quaimauer stehen Container bereit, die ein Ladekran später ins Schiff hieven wird.
Auf der «Alpina Vela» fährt Roland Fessler schon seit 14 Jahren rheinabwärts ans Meer und wieder zurück. Unzählige Container hat er in dieser Zeit hin- und hertransportiert. Container mit Kaffee, Container mit Turnschuhen. Von Jeans bis Schokolade, von Medikamenten bis Computerzubehör: Auf dem Rhein wird alles transportiert. Schliesslich kommt der Schiffsweg punkto Transportkosten immer noch am besten weg – günstiger noch als Schiene oder gar Lastwagen. Dennoch hat sich in den letzten Jahren vieles verändert. Die «Alpina Vela» ist mittlerweile das einzige Schweizer Frachtschiff auf dem Rhein. Als Fessler in den 1980er-Jahren Schiffsführer wurde, besass die Schweizer Reederei in Basel noch an die 150 Schiffe. Heute sind die meisten Frachter in holländischem Besitz: «Die Konkurrenz ist pickelhart», so Fessler.

Wenn der Nebel hockt

Genau 351 Container passen in sein Schiff. Das ist eine Menge, und Fessler muss gut planen, damit das Schiff nach dem Laden keine Schlagseite bekommt. Auf der Reise von Basel nach Rotterdam legt das Schiff an mehreren Häfen kurz an, um Fracht auf- oder abzuladen. «Laden» und «löschen» heisst das in der Schiffersprache, und Fesslers Männer – insgesamt sind fünf Leute an Bord – haben dann alle Hände voll zu tun.
Gefahren wird Tag und Nacht. Eine grössere Pause kann sich heute niemand mehr leisten. Alle drei bis vier Stunden wird Fessler am Steuer abgelöst. Denn das 180 Meter lange Frachtschiff zu steuern, ist nicht ohne: besonders bei Niedrigwasser, wenn sich auf dem Rhein alle Schiffe in der Mitte des Flusses drängen, auch nachts oder bei schlechter Sicht, wenn über dem Rhein tagelang der Nebel hockt und man die eigene Hand vor den Augen kaum sieht. «Dann braucht es Erfahrung und starke Nerven.»
An solchen Nebeltagen kann die Stimmung auf dem Schiff schon einmal in den Keller sinken. Sonst aber kommt Fessler mit seinem Team bestens klar. «Man hat sich an die Macken der anderen gewöhnt», meint er lachend. Klar, dass man auf dem Schiff etwas mehr Rücksicht nehmen muss. Schliesslich ist die Besatzung rund um die Uhr zusammen.

Tschechische Knödel

Kulinarisch gehts auf dem Schiff meistens hoch zu und her: Mit Schiffszwieback oder einer Büchse Ravioli wären Fesslers Leute nicht zufrieden. Jeweils einer der Matrosen übernimmt während der Reise das Kochen. Und da die Besatzung derzeit recht international ist, gibts von tschechischen Knödeln bis zu Elsässer Spezia­litäten fast alles, was des Schiffers Herz begehrt.
Drei Wochen am Stück ist Fessler unterwegs: Zweimal fährt er in dieser Zeit ans Meer und zurück, und erst dann, nach drei Wochen, hat er für längere Zeit wieder festen Boden unter den Füssen. Drei Wochen hat er dann frei und kann machen was er will. Und darüber ist er froh, denn als Vergnügungsfahrten kann man seine Reisen nach Rotterdam oder Antwerpen nicht bezeichnen: In den Häfen bleibt kaum Zeit, an Land zu gehen, geschweige denn, die Städte kulturell zu geniessen. Und wie stehts denn mit all den schönen Frauen, die – so wird gemunkelt – ja in jedem Hafen auf die Ankunft der Matrosen warten sollen? Fessler winkt lachend ab. Diese Mär muss ihren Ursprung noch vor seiner Zeit gehabt haben.
Dennoch: Eine normale Beziehung zu führen, ist für einen Rheinschiffer schwierig. Fessler kennt jedenfalls keinen, dessen Ehe viele Jahre überstand. Auch seine eigene ging in die Brüche, wie er bedauernd anfügt.

Glücksmomente

Doch Roland Fessler liebt seinen Beruf. «Die Freiheit ist gross.» Besonders schätzt er den Rhythmus von Arbeit und Freizeit. Jeweils drei Wochen lang Zeit zu haben für Musse und Sport, das sei schon toll. «Doch auch auf dem Schiff bin ich mein eigener Chef», nennt er die weiteren Vorteile seines Berufs. Innerhalb eines gewissen Rahmens ist er völlig frei: «Wir müssen die Fahrpläne einhalten, das Schiff in Schuss halten, miteinander auskommen – doch sonst geniessen wir die absolute Freiheit», erzählt Fessler.
Als uns Roland Fessler zum Abschluss in den Maschinenraum führt, blitzt in seinen Augen etwas von jener Faszination auf, die ihn als Jugendlichen aufs Wasser gezogen hat: Mit einer Mischung aus Stolz und Selbstverständlichkeit präsentiert er die beiden mannshohen Schiffsmotoren, die bei voller Leistung mit je 1200 Pferdestärken so laut dröhnen, dass man hier unten das eigene Wort nicht mehr versteht.
Die grössten Glücksmomente aber erlebt Roland Fessler nicht im Maschinenraum, sondern oben in seinem Führerhaus. Dann zum Beispiel, wenn er an einem ruhigen Abend hineinfährt in einen sagenhaften Sonnenuntergang. Wenn über ihm der Himmel und vor ihm der Rhein in allen Farben zu leuchten beginnen.