Westphal, Eberhard

Eberhard Westphal wurde geboren am 02. August 1900 in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal). Er machte das Abitur und wurde 1917 Seekadett. Nach dem ersten Weltkrieg nahm er zuerst ein Jurastudium in Bonn und Heidelberg auf. 1920 ging er dann nach Danzig um ein Schiffbaustudium aufzunehmen. Das Studium finanzierte er durch seine hohe musikalische Begabung. Er gab Geigenunterricht und Konzerte. Während des Studiums und auch danach arbeitete er auf der Schichau-Werft in Elbing und der Germaniawerft in Kiel. 1929 wurde er dann Assistent von Prof. Ehrbach. Ehrbach war unter anderem der Erbauer des Handels-U-Bootes Deutschland und mehrerer großer Luxusyachten. Dort fertigte er auch seine Doktorarbeit "Der ordentliche Schiffsgrundriss" an.


Eberhard Westphal

1930 heiratete er Karin Carlson, Tochter von Hildegard (geb. Ziese) und Carl Carlson.

Westphal war ein Ästhet. Er postulierte, dass ein Schiff nur eine äußere Harmonie besäße, wenn auch die innere Anordnung der Räume bestimmten Gesetzen der Harmonie entsprächen. So gehöre zu einer äußeren auch eine innere Symmetrie. Um seine Thesen zu belegen, untersuchte Westphal in seiner Arbeit aktuelle gebaute Schiffe nach diesen Gesichtspunkten. Der Vortrag, der viele richtige und wichtige Gesichtspunkte für den Rau, besonders von Fahrgastschiffen, enthielt, fand geteilte Zustimmung. So kamen sowohl von Professor Schütte als auch von seinem Doktorvater Ehrbach wohlwollende Kommentare, insbesondere was die klarere Anordnung von Schotten und Verminderung der Aufbauten betraf. Ein anderer Kommentar eines pensionierten Schiffbaudirektors der Seebeck-Werft, Hermann Hildebrandt, war dagegen außerordentlich ablehnend. Westphal hatte es gewagt, an dem Grundriss des gerade in Fahrt gegangenen Stolzes der deutschen Flotte, dem Schnelldampfer BREMEN, gemäß seinen Grundsätzen, Verbesserungen vorzuschlagen.

Seiner Frau zuliebe trat Westphal 1933 wiederum in die Schichau-Werft in Elbing ein. Dort, im Konstruktionsbüro, hat Westphal sich aktiv an den Neubauten der Werft beteiligt, obwohl ihm durch Einheirat in die ehemalige Eigentümerfamilie eher Nach- als Vorteile erwuchsen. 1939 verließ er die Schichau-Werft, wo er zuletzt Oberingenieur und stellvertretender Leiter der Konstruktionsbüros für Handels-und Kriegsschiffbau geworden war. Bei den Reichswerken „Hermann Göring" in Salzgitter wurde Westphal Betriebsdirektor und dort besonders für den Transport verantwortlich. Hier entstand 1940 das sogenannte „Westphalfloß". Zur Versorgung der Hütte Braunschweig mit Kohlen aus dem Ruhrgebiet war es eine außerordentlich wichtige Aufgabe, diesen Massenguttransport zu rationalisieren, zumal „Rückfracht" nicht existierte. Westphal löste diese Aufgabe durch die Konstruktion von Eisenbahn transportfähigen Lastrohren, die in Päckchen gekoppelt auf dem Mittellandkanal verkehren konnten. Die sehr sinnreiche und kostengünstige Konstruktion dieser Lastrohre wird heute sowohl als Vorstufe der Schubschifffahrt als auch des Containertransports angesehen.

Zu den Lastrohren gehörten eine Bug- und eine Heckeinheit mit entsprechenden Steuer- und Antriebseinheiten. Das System dieser Lastrohre hat hervorragend funktioniert, nicht zuletzt durch die solide entwurfstechnische Bearbeitung durch Westphal. der auch viele konstruktive Einzelheiten auf das sorgfältigste entwickelte. Durch abkuppeln einzelner Floßverbindungen konnte man im Übrigen auch sehr kleine Kanalkurven problemlos durchfahren. So konnte ein so fahrender Verband einen nahezu geschlossenen Kreis von 80 m Radius durchfahren. Die Konstruktion der einzelnen Lastrohre. die ohne Spanten nur aus der Rohrwandung und entsprechenden Querschotten bestand. war so angelegt, dass diese direkt mit einem Kran aus dem Wasser gehoben und entleert werden konnten. Anschließend konnten die leeren Lastrohre dann mit der Eisenbahn zurückgeschickt werden. Das Westphalfloß Paul-Marie hat erfolgreich bis zur Zerstörung der Wasserwege 1944 gearbeitet und ist auch noch bis 1957 eingesetzt gewesen. Westphal selbst hat seine Idee weiter entwickelt. So hat er vorgeschlagen, einzelne Rohre nach dem Prinzip einer Rohrpost in speziellen Lastrohrleitungen einzusetzen.

Nach dem Krieg versuchte Westphal, sich in Bonn als beratender Ingenieur niederzulassen. 1954 erhielt er einen indischen Regierungsauftrag, um die schifffahrtstechnischen Möglichkeiten im Mündungsgebiet des Ganges zu erforschen, Zwei Jahre später wurde Westphal Professor für Schiffbau an der Technischen Universität Kharagpur. Dort entwickelte er eine rege Lehr- und Forschungstätigkeit. 1962 kehrt Westphal aus familiären Gründen nach Deutschland zurück. Er widmete sich nun verschiedenen Binnenwasserstraßenproblemen. In den Jahren 1965/68 übernahm Professor Westphal eine Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule Hannover am Institut für Entwerfen von Schiffen und Schiffstheorie. Dort betreute er die Schiffbaustudenten besonders auf dem Gebiet des Klein- und Binnenschiffbaues. Westphal hat danach noch einen langen Lebensabend in Bonn verbringen können. Am 31 . Dezember 1993 ist er in Bonn verstorben.


Veröffentlichungen

Jahr Titel
1931 Der ordentliche Schiffsgrundriss
1947 Das Westphal-Floss Lastrohrfloss, Verlag Dümmler
1957 Ein ostdeutscher Industriepionier: Ferdinand Schichau in seinem Leben und Schaffen, West Verlag
1958 The Freight Tube Float, Verlag Indian Ass. f. the Cultivation of Science

Quellen:

100 Jahre Schiffbautechnische Gesellschaft, Biografien
Wikipedia

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